Unterstützung von Patient:innen und Angehörigen

Was können Patient:innen und Angehörige tun?

Eine Krebsdiagnose betrifft nicht nur die Patient:innen, sondern auch ihre Angehörigen. Während Betroffene mit der Krankheit und den Herausforderungen der Therapie umgehen müssen, stehen auch Familienmitglieder und Freund:innen oft vor der Frage, wie sie am besten unterstützen können – auch wenn es um die Ernährung geht. Doch wie können Patient:innen selbst aktiv werden? Und wie lässt sich Unterstützung leisten, ohne Druck aufzubauen?

Viele Krebspatient:innen erleben im Laufe ihrer Therapie Phasen, in denen ihnen das Essen schwerfällt. Ob durch Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme oder einfach fehlende Kraft – die Nahrungsaufnahme kann so zur Herausforderung werden. In diesen Momenten ist es wichtig, dass Patient:innen gut informiert sind und Angehörige ihnen unterstützend zur Seite stehen, ohne zusätzlichen Stress zu erzeugen.

„Man darf nicht unterschätzen, dass Betroffene zu Beginn oft in einem Schockzustand sind“, erklärt die onkologische Pflegekraft Daniela Haselmayer. „Es bringt wenig, mit der Tür ins Haus zu fallen und sofort auf Ernährungstherapien zu drängen. Viel wichtiger ist es, ihnen Zeit zu geben und Schritt für Schritt zu informieren.“ Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, um zu informieren? Der Tag der Diagnosestellung ist sicher verfrüht, um Ernährungstherapie anzusprechen. Auf der anderen Seite ist es entscheidend, nicht zu lange zu warten. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um aktiv zu werden? Und wie können Angehörige helfen, ohne dass das Essen zum Dauerthema wird?

Wann sollten Patient:innen aktiv werden?

Viele Patient:innen erleben Momente, in denen ihnen das Essen schwerfällt, sei es durch fehlenden Appetit, Verdauungsprobleme oder eine generelle Erschöpfung. Doch oft dauert es, bis sie realisieren, wie sehr sich ihr Körper verändert. „Ich war immer jemand, der gerne gegessen hat, aber plötzlich stand ich vor dem Kühlschrank, habe ihn geöffnet, wieder zugemacht und bin gegangen“, erinnert sich Wagner. „Mein Mann hat mir das Beste gekocht, aber ich konnte einfach nichts essen.“

Diese Momente zeigen, wie schleichend Mangelernährung auftreten kann. Daher ist es wichtig, nicht zu warten, bis der Körper sichtbar geschwächt ist, sondern frühzeitig aktiv zu werden – sei es durch Anpassung der Ernährung oder in Absprache mit Ärzt:innen und Ernährungsexpert:innen.

Gertrude Wagner

Ich habe lange nicht gemerkt, dass ich an Gewicht verliere. Erst als die Kleidung zu locker wurde und mein Gürtel nicht mehr passte, wurde mir bewusst, dass ich handeln muss.

Getrude Wagner KREBSPATIENTIN

Wie können Angehörige unterstützen?

Für viele Angehörige ist es eine Herausforderung, die richtige Balance zwischen Unterstützung und Eigenständigkeit der Patient:innen zu finden. Einerseits möchten sie helfen, andererseits soll kein zusätzlicher Druck entstehen. „Mein Mann bereitete mir liebevoll das Beste zu, doch ich öffnete den Kühlschrank, sah das Essen, machte die Tür wieder zu und ging“, erzählt Gertrude Wagner über ihre Erfahrung mit Appetitlosigkeit. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit kann für beide Seiten belastend sein.

Elisabeth Hütterer, Diätologin an der Medizinischen Universität Wien, betont, dass Angehörige sich nicht dafür verantwortlich fühlen sollten, die gesamte Ernährung des Patienten bzw. der Patientin sicherzustellen: „Manche versuchen, jede Mahlzeit zu kontrollieren oder zu überwachen. Doch das erzeugt zusätzlichen Stress, der oft kontraproduktiv ist.“ Stattdessen empfiehlt sie, sanfte Erinnerungen in den Alltag zu integrieren, z. B. durch kleine, regelmäßige Essensangebote oder Getränke. „Viele Betroffene essen und trinken instinktiv nicht mehr, weil ihr Körper ihnen kein Hungergefühl signalisiert. Deshalb sind strukturierte Erinnerungen sinnvoll – etwa ein Timer, der alle zwei Stunden daran erinnert, eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen.“

Eine weitere wichtige Rolle der Angehörigen ist die emotionale Unterstützung. Viele Betroffene haben Schuldgefühle, wenn sie wenig essen, oder das Gefühl, ihre Familie zu enttäuschen. Wagner erzählt: „Ich habe mir immer gedacht, ich kann mir meinen Mann nicht einfach nehmen und mit ihm essen gehen – ich wusste nicht, was ich bestellen soll.“ Hütterer rät dazu, solche Situationen nicht mit Druck zu verstärken, sondern alternative Lösungen zu finden.

Letztlich sollten Angehörige darauf achten, sich selbst nicht zu überfordern. Unterstützung bedeutet nicht, die gesamte Verantwortung zu übernehmen. Eine professionelle Ernährungsberatung kann beiden Seiten helfen, Strategien zu entwickeln, die langfristig funktionieren. „Man muss sich einfach trauen“, sagt Wagner ermutigend. „Es gibt Unterstützung – man muss sie nur annehmen.“

Elisabeth Hütterer

Wenn jemand nicht essen möchte, ist das verständlich. Aber statt darüber zu diskutieren, hilft es oft mehr, Alternativen bereitzustellen – etwa eine Suppe, einen Smoothie oder ein nährstoffreiches Getränk, das leichter konsumiert werden kann.

Elisabeth Hütterer DIÄTOLOGIN MEDIZINISCHE UNIVERSITÄT WIEN

Homecare: Wann ist es sinnvoll?

Wenn Ernährungsprobleme den Alltag zunehmend belasten, kann eine professionelle Unterstützung durch Homecare-Services eine wertvolle Entlastung sein. Diese spezialisierten Angebote helfen dabei, die Ernährung gezielt an die individuellen Bedürfnisse anzupassen und bieten nicht nur eine praktische Versorgung, sondern auch eine kontinuierliche fachliche Begleitung.

Eine individuell abgestimmte Ernährungsberatung stellt sicher, dass Patient:innen die optimale Nährstoffzufuhr erhalten. Zusätzlich können hochkalorische Spezialprodukte (z.B. Fresubin) direkt nach Hause geliefert werden, sodass Betroffene sich nicht um die Beschaffung kümmern müssen. Auch die richtige Anwendung von Sondennahrung oder parenteraler Ernährung kann durch geschultes Fachpersonal begleitet werden, um eine sichere und effektive Nutzung zu gewährleisten.

„Gerade wenn Essen zur Belastung wird, kann Homecare eine echte Hilfe sein“, erklärt Diätologin Elisabeth Hütterer: „Es geht nicht nur um Produkte, sondern um eine individuelle Betreuung, die Patient:innen und Angehörigen gleichermaßen Sicherheit gibt.“

Auch Gertrude Wagner hat diese Erfahrung gemacht: „Mein Hausarzt und das Krankenhaus waren eine große Hilfe. Wenn ich merkte, dass ich Unterstützung brauchte, konnte ich mich jederzeit an sie (Anmerkung der Redaktion: an Homecare) wenden. Sie kümmerten sich um alles. Der Service geht sogar bis nach Hause – wenn etwas mit der Anlieferung der Nahrung nicht klappt, ist immer jemand da und hilft weiter.“

Besonders wichtig ist dabei eine vertrauensvolle Begleitung, denn viele Betroffene sind durch widersprüchliche Informationen verunsichert. „Verunsicherung und Fragezeichen begleiten viele Patient:innen während ihrer Erkrankung. Sie erhalten verschiedene Ratschläge aus Medien oder dem sozialen Umfeld und wissen oft nicht, was wirklich hilfreich ist“, beschreibt Hütterer ihre Erfahrung aus der Praxis.

Gerade deshalb sind professionelle Ernährungskonzepte und kontinuierliche Unterstützung entscheidend. Homecare-Angebote ermöglichen eine individuell abgestimmte Betreuung, die nicht nur zur körperlichen Stabilität beiträgt, sondern auch das Vertrauen in die eigene Therapie stärkt.

Gemeinsam aktiv werden

Die Ernährung während einer Krebstherapie ist kein Nebenschauplatz – sie ist ein entscheidender Faktor für Wohlbefinden und Genesung. Patient:innen sollten frühzeitig auf Warnsignale wie ungewollten Gewichtsverlust achten und aktiv nach Unterstützung suchen. „Ich habe gelernt, dass es in Ordnung ist, Hilfe anzunehmen. Viele Krebspatient:innen haben eine Scheu davor, künstliche Ernährung auszuprobieren. Dabei kann es so viel Lebensqualität zurückgeben“, berichtet Gertrude Wagner aus eigener Erfahrung.

Auch Angehörige spielen eine zentrale Rolle. Ihr Einfühlungsvermögen, ihre Geduld und die Bereitschaft, sich mit den Bedürfnissen der Betroffenen auseinanderzusetzen, können maßgeblich dazu beitragen, dass Ernährung keine zusätzliche Belastung wird. „Ich möchte anderen Mut machen: Traut euch, Unterstützung anzunehmen! Ihr seid nicht allein“, ermutigt Wagner.

Wenn die normale Nahrungsaufnahme zunehmend schwieriger wird, können Homecare-Services eine wertvolle Unterstützung bieten. Sie ermöglichen eine gezielte Ernährungstherapie, die individuell auf die Bedürfnisse der Patient:innen abgestimmt ist. Denn das Wichtigste ist: Niemand muss diesen Weg allein gehen.

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